27. April bis 05. Mai 2021 -> (- 7 Stunden Zeitverschiebung zu Deutschland; Durchschnittlicher Kurs: 1 € = 24 MXN; 1 $ = 19 MXN)
San Christobal
Um 0:30 Uhr bin ich dann endlich am Busbahnhof von San Christobal und laufe durch leere Gassen meine 800 Meter zum gebuchten Hostel. Dank einer 24 Stunden Rezeption lässt man mich auch rein und ich schlüpfe sofort in mein Bett im 10er Dorm, wo ich dann auch einen wirklich guten Schlaf habe, da San Christobal mit 2100 Metern über Null wieder angenehme kühle Nachttemperaturen hat und es auch nicht schwül ist. Mein Hostel habe ich für 4 Nächte reserviert, ist komplett ausgebucht und mit 77 Pesos (3,20 €) pro Nacht auch das günstigste meiner kompletten Mexikoreise (und dazu auch noch sehr zentral mit gutem Blick über die Stadt, sauber und angenehm).





An meinem ersten Tag erkunde ich die Stadt, laufe bei einer Free Walking Tour (100 Pesos Tip) mit, bestaune die bunten Farben auf den Märkten des Ortes, die vielen zu kleinen Pyramiden gestapelten Früchte auf dem Markt (wo auch frisch geschlachtete Hühner direkt neben Klamottenshops angeboten werden), die zahlreichen Indio-Frauen in ihren kurios anmutenden Trachten und hübschen (meist nur einstöckigen) Häuschen in den Sträßchen, die ab und zu durch koloniale Kirchen in die Höhe gehen.































Da mein Tagesrucksack erneut gerissen ist, bringe ich ihn wieder mal zum Nähen (20 Pesos). Eigentlich ist er hin, sieht sehr mitgenommen aus und auch die Reißverschlüsse klemmen arg – aber ich habe mir in den Kopf gesetzt, dass er nur die restlichen Wochen halten muss – also heißt es: erneut flicken.


San Christobal hat zwei kleine Anhöhen mit einer Kirche oben auf, sodass man von dort einen netten Blick auf die Stadt hat. Also erklimme ich beide (soll man nur tagsüber machen, da es nachts dort zu unsicher sein soll). Und an einer der Kirchen treffe ich Mbaye aus Frankreich und Marten aus Deutschland, mit denen ich dann den Abend bei Käse-Fondue und Bier verbringe. Marten berichtet von einem anderen Deutschen hier, der hier in San Christobal zahlreiche Backpacker nach Geld anbaggert (und nicht zurückgibt), Rechnungen in Restaurants prellt und mittlerweile weitergezogen ist, da er hier schon zu bekannt war. Mbaye war in Paris Marketingmanager bei France Telecom, hatte die Nase davon voll, hat den Job gekündigt und reist jetzt durch die Welt.









Tags drauf mache ich eine Tour zum Canyon del Sumidero (400 MXN). Ich fahre per Minibus die 50 km Richtung Canyonanfang zum Bootsanleger, besteige ein Elektroboot und dann geht es 25 km durch den Canyon hindurch bis zum Stausee des Rio Grijalva und wieder zurück. Auf der Tour sehen wir Krokodile, faul rumhängende Klammeraffen (Spider Monkeys) und einen weihnachtsbaum-anmutenden Wasserfall, der aber nur in der Regenzeit Wasser hat. Beeindruckend ist der Canyon selbst, mit den steil nach oben aufragenden Felsen, wobei der höchste davon etwa 800 Meter den Fluss überragt. Nach zwei Stunden geht es dann mit dem Minibus wieder über den uninteressanten Ort Chiapa de Corzo zurück nach San Christobal.











Den nächsten Tag mache ich erneut eine Tour mit über 350 km Minibus-Strecke (350 MXN). Zuerst geht es 105 km zu den Wasserfällen von Chiflon, die mich vor Begeisterung umhauen. Herrliches blau-weißes Wasser, dass wie Milch die Kaskaden herunterfließt und am Ende ein mächtiger großer Wasserfall. Ich bade natürlich und finde, dass zwei Stunden viel zu kurz sind. Aber es geht danach weitere 100 km zu den Lagunen von Montebello – wieder herrliches Blau und türkis von Nadelwald umgeben, was wie an Seen in den Alpen erinnert. Ein See hier, Lago International, liegt zur Hälfte in Mexiko und zur anderen in Guatemala. Man kann ihn ohne Kontrolle umrunden und somit war ich während meiner Weltreise auch mal 20 Minuten in Guatemala, wo die Uhr eine Stunde zurückgestellt wird. Nach einem leckeren Mittagessen am Straßenrand geht es dann über ein paar weitere hübsche Seen zurück ins 150 km entferne San Christobal, wo ich abends ankomme, Geld abheben muss und erneut meine SIM-Karte im Oxxo-Shop für einen weiteren Monat verlängere (3 GB, 200 MXN). Auf der wirklich tollen Tour treffe ich Dany aus Mainz, die als Bereitschaftspolizistin ein Sabbatical-Jahr macht und nun ein Jahr auf Reisen sein wird. So habe ich eine angenehme Gesprächspartnerin und erfahre auch, wie sie so das letzte Coronajahr als Polizistin mit deutlich weniger Einsätzen erlebt hat, da es ja kaum noch Veranstaltungen und vor allem keine Fußballspiele mit bekloppten Fans mehr gibt.





















Nach diesem vollen Tag falle ich todmüde ins Bett und muss am folgenden Morgen um 3 Uhr aufstehen, um 3:30 Uhr mit dem Mini-Van eine Art Tour/Transport über Agua Azul und Misol Ha die 225 km nach Palenque zu fahren (600 MXN inklusive aller Eintritte, die etwa knapp die Hälfte davon ausmachen; alles dauert ca. 13 Stunden inkl. Besuch der Sehenswürdigkeiten). Eigentlich ist mir das viel zu stressig und ich wollte noch einen Tag in San Christobal zum Gammeln bleiben; aber da mein Hostel voll ist, hätte ich nochmal umziehen müssen und so verzichte ich drauf und fahre halt direkt weiter. Im Nachhinein war es sogar gut, da andere Reisende nach mir auf der Fahrt (dank starker Regenfälle) die blauen Wasserkaskaden von Agua Azul als braun/schlammig erlebt haben – also Agua Morena. Da habe ich wieder mal Glück gehabt. Außerdem fährt der Minibus die direkte und historisch berüchtigte Strecke zwischen San Christobal und Palenque: Auf ihr errichten indigene Bewohner immer mal wieder Straßensperren und „fragen“ Fahrer nach Geld (angeblich sind der Standard pro Person 50 Pesos und wer diskutiert bekommt dann größeren Ärger, was zum Ausrauben und weiterer Gewalt führen kann). Es gab auch Tote auf der Strecke, wobei der letzte große Fall 2018 war, als ein polnischer und deutscher Radfahrer am Kilometer 158 ermordet wurden (der Deutsche heißt sogar Holger, war Ende 30 und Weltenbummler). Der Fall ist bis heute ungeklärt und ich habe davon in einem meiner in Myanmar entdeckten Podcasts erfahren: Zeit Verbrechen (https://www.zeit.de/gesellschaft/zeitgeschehen/2019-11/ausland-vermisst-radfahrer-mexiko-verbrechen-kriminalpodcast). Einerseits hatte mich damals genau diese Folge von Mexiko abgehalten, andererseits aber auch weiter angestachelt, hinzufahren, da im Podcast sehr lebendig berichtet wird, wie der Bruder des Deutschen den Fall in Mexiko aufrollte (und Mord statt Unfall feststellen konnte) und sich dann sogar in das Land dank seiner Schönheit und Vielfalt verliebt hatte und trotz dieses Unglücks immer wieder hinreist. Öffentliche Busse meiden diese Strecke und fahren einen großen Umweg (450 km) – Mini-Busse und Touren-Anbieter nehmen die nur halb so lange Strecke jedoch weiterhin. Ich frage vorher auch konkret danach, wie sicher aktuell die Route ist und man beschwichtigt – alles sei ok. Und so buche ich die Tour und habe auch null Probleme.
Palenque
Die Fahrt ist echt anstrengend, da lang uns sehr kurvenreich. Um 3:30 Uhr werde ich abgeholt, unterwegs macht der Fahrer einen Frühstücksstopp. 8:30 Uhr sind wir nach 160 km Fahrt für zwei Stunden in Agua Azul mit herrlich blau-weißen Wasserkaskaden, wo ich natürlich wieder ein Bad nehme. Danach geht es weiter ins 35 km entferne Misol Ha, wo wir gegen 12 Uhr eintreffen und man hinter einem hohen Wasserfall in eine Höhle gehen kann (15 MXN zusätzlich) und darin Fledermäuse und einen Höhlen-Wasserfall sieht.








Um 13:30 Uhr sind wir dann in Palenque und haben 2,5 Stunden Zeit, in der ich ausgiebig durch die Ruinen stapfe, die ich ja vor 25 Jahren bereits mit Ingolf bereist hatte. Die Ruinen sind wieder umwerfend, zumal sie durch das Grün des Dschungels und den Tempelhäusern auf der Spitze der Pyramiden deutlich beeindruckender sind, als die von Trockenheit umgebenen Pyramiden bei Oaxaca oder Mexico City. Allerdings konnte ich vor 25 Jahren auf jede Pyramide rauf, ja sogar in die Hauptpyramide (Templo de las Inscripciones) von oben ins Innere hineingehen und die Grabstätte des Mayakönigs Pakal besichtigen (eine Kopie konnte ich jedoch vor einem guten Monat im Anthropologischen Museum von Mexico City bewundern). Heute darf man auf gar keine Pyramide hinauf und schon gar nicht in eine hinein. Auch durch die Palastanlage darf man heute nicht – alles angeblich wegen Corona.
Und so laufe ich nur unten an den Pyramiden vorbei, zoome ein paar Steinplatten auf den Tempeln heran und genieße die relativ leere Ruinenanlage, die ich am nächsten Morgen erneut mit meinem Hostelbewohner Daniel aus Bogota besuche, weil ich die Morgenstimmung erleben möchte (Erneut 80 Pesos Ruineneintritt, aber ich brauche den zuvor fälligen Parkeintritt von 90 Pesos nicht erneut zahlen).











Gegen 16 Uhr lädt mich dann mein Minibusfahrer vor meinem gebuchten Hostel ab und ich bedauere die Leute im Bus, die nun die gesamte Strecke zurück nach San Christobal fahren (etwa 5 Stunden), da sie die Tour als Ganztagestour gebucht hatten – welch Horror.
Ich habe mir diesmal ein Hostel direkt am Eingang zum Park von Palenque gebucht (und nicht in der etwa 7 km entfernen Stadt von Palenque), der nur 30 Fußminuten von den Ruinen entfernt ist. Mein Hostel hat einen Pool und 4-Bett Hütten (Cabanas) für 295 MXN pro Nacht und liegt direkt am Dschungelrand (mit interessanter Ameisenautobahn neben meiner Cabana). Ich bleibe hier 2 Nächte und verbringe nach meinem erneuten Besuch der Ruinen am Folgetag die restliche Zeit am Pool.






Vormittags war ich ja nochmal in den Ruinen – diesmal mit Daniel aus Bogota, der mächtig über seinen Präsidenten schimpfte. Dieser hat das sehr austarierte und vom Nobelpreis-Komitee geadelte Friedensabkommen seines Vorgängers zur Beendigung des Bürgerkriegs aus reinem Populismus gekündigt und macht auch sonst viel unsinnige Politik und wird nun Kolumbien eventuell wieder ins Chaos stürzen. Er ist richtig frustriert und beklagt: Wir hatten mit dem Friedensabkommen das Ticket zu Frieden und Wohlstand in der Hand und haben es gerade weggeworfen. Am Eingang zu den Ruinen frage ich auch mal nach, wie viel Besucher so im Durchschnitt kommen: Vor Corona etwa 1.000 pro Tag (an besonderen Wochenenden sogar bis zu 5.000 pro Tag) und jetzt sind maximal 600 pro Tag erlaubt, aber es kommen nur durchschnittlich 400 bis 500.
Nach zwei Nächten fahre ich mit einer Tour für zwei Tage in den Dschungel Richtung Guatemala, um dort neben einer Wanderung die Ruinen von Yaxchilian und Bonampak zu besichtigen. Man kann die Tour auch an einem Tag machen (1000 MXN), aber das ist mir zu viel Stress und so buche ich für 1.800 MXN die 2-Tagestour inkl. Übernachtung und allen Mahlzeiten. Um 6 Uhr geht es los und nach einem Unterwegsfrühstück und 145 km gegen 10 Uhr beziehe ich meine Cabana in Lacanja, einem Dorf der Lacadon Mayas am Dschungelrand. Es ist eher ein ausgebautes Touristencamp und von Ursprünglichkeit weit entfernt. Ein Einheimischer macht dann mit uns (2 Französinnen, Tony aus London, eine Wienerin und ich) eine Wanderung durch den Wald (50 MXN Tip) zu einem Mayatempel und zum Baden im Fluss. Dann gibt es was zu Essen und ich spaziere etwas durch das Dorf hinunter zu anderen Wasserkaskaden. Es ist nett aber nichts besonderes und so gehe ich früh zu Bett und habe zum Glück ein Moskitonetz (die Französinnen nicht und so sehen sie am nächsten Morgen auch völlig zerstochen aus).












Man holt uns gegen 9:30 Uhr ab und wir fahren etwa 40 km nach Frontera Corazal am Rio Usumacinta, dem Grenzfluss zu Guatemala. Dort besteigen wir ein Boot und fahren etwa 11 km den Grenzfluss entlang, um die Ruinen von Yaxchilian zu erreichen. Da hat schon was, da sie sehr romantisch im Dschungel und in einer Flussschleife liegen. Beim Aussteigen sind hunderte von Schmetterlingen am Uferstrand und ich laufe danach durch die Ruinenanlage, dessen Gebäude #33 das höchste ist und man auch besteigen kann. Diese Anlage mitten im Dschungel hat auch einen unrühmlichen Link zu Deutschland: Das im Zweiten Weltkrieg zerstörte Völkerkundemuseum beherbergte eine Inschrift, die seitdem verschwunden ist.















Nach 2,5 Stunden geht’s per Boot zurück, dann gibt es Mittag und dann weiter ins 45 km entferne Bonampak, ein weiteres Highlight des Trips. Zunächst läuft man über eine kleine Landebahn mitten im Wald und dann präsentiert sich in der Nachmittagssonne eine große Pyramide mit einem Raum auf halber Höhe, wo ich das erste Mal Wand- und Deckenmalereien sehe, die mich an die bunten Gräber im Tal der Könige bei Luxor erinnern – herrlich. Ein vor der Pyramide stehender riesiger Baum beherbergt unzählige herabhängende Vogelnester des Montesumastirnvogels, die hier gerade brüten und ständig ein- und ausfliegen.

























Nach etwa einer Stunde geht es zurück zum Minivan und wir fahren die 145 km zurück nach Palenque – ein echt super Ausflug und ich bin froh, dass wir die Pyramiden als Höhepunkt am zweiten und nicht ersten Tag hatten.
Zurück in Palenque ziehe ich vom vorherigen Hostel auf die andere Seite der Parkstraße ins Jungle Palace, was richtig im Wald liegt und beziehe für 2 Nächte meine eigene Cabana für 150 MXN pro Nacht – hier brauche ich wieder mein eigenes Moskitonetz. Zudem habe ich auch ein Hornissennest am Haus und so bin ich wenigstens sicher. Achja: und ich muss erneut meine Sandalen nachnähen, da die Befestigungsschnalle erneut abgerissen ist.










Im angrenzenden Dschungelrestaurant ist es wegen Wochenende rappel voll aber ich bekomme noch meine leckere Pizza mit Spinat und Blauschimmelkäse und gehe dann auch zügig zu Bett. Dank Ventilator und Ohrstöpsel schlafe ich trotz schwüler Nacht (24 °C nachts, 39 °C tags) und der Dschungelgeräusche sehr gut. In der Nacht bekomme ich den Lärm des Waldes gar nicht so richtig mit und scheine es eher als Traum abzutun aber früh um 6 Uhr werde ich durch den Lärm dann doch wach – und was für ein furchterregender Krach. Als ob ein Leopard neben meiner Hütte brüllt. Aber es sind nur die Brüllaffen (Howler Monkeys), die man natürlich nicht sieht. Ich bin richtig begeistert, was ich da höre, und froh, mitten im Dschungel und nicht in der Stadt zu sein.
An meinem 700sten Reisetag! mache ich dann mit der Wienerin einen Ausflug nach Roberto Barrios, einem 35 km entfernen Wasserfall zum Baden. Per Colectivo geht es nach Palenque rein (20 MXN) und dann für 50 MXN per anderem Colectivo in einer knappen Stunde nach Roberto Barrios. Dort löhnt man nochmal 30 MXN Eintritt und dann ist man an den Kaskaden und es ist wieder umwerfend. Man kann überall baden, die Wasserfälle hoch- oder runterkraxeln und herrlich in den Kaskaden planschen. Und als ob das nicht schön genug ist, klettern auf dem Rückweg noch eine Brüllaffenfamilie an uns vorbei und lassen sich in Ruhe filmen. Ich sehe auch ihren Kehlkopf, mit dem sie nachts diese wahnsinnigen Geräusche machen. Zufrieden geht es dann wieder mit dem Colectivo heim.















Am Folgetag bleibe ich im Dschungelrestaurant, sehe noch einen weiteren Brüllaffen und mehrere Agutis durch das Unterholz laufen, sortiere endlich mal wieder Bilder und warte schwitzend bei schwüler Hitze auf den einzigen Bus nach Bacalar, einer Stadt auf der südöstlichen Seite der Halbinsel Yucatan, wo ich dann erstmals auf dieser Reise die Karibik Mexikos erreichen werde. Kurz vor geplanter Abfahrt zum Busbahnhof kommt ein mächtiger Platzregen runter und so komme ich trotz Regenschirm und Rucksack-Regenschutz ziemlich nass im Busbahnhof von Palenque an. 18 Uhr geht es dann per Bus für 694 MXN los; 500 km und 9 Stunden bis nach Bacalar.







